And are we there yet?
Kerzenschein, Rosenduft. Ich liege in der Wanne und genieße die Wärme des Wassers, und die Leichtigkeit, die es mir verleiht. Ingrid Michaelson singt leise im Hintergrund, aus meinem kleinen Radio am Fenster. “Are we there yet?”
Wunderschön. Der Song, das Wasser, der Moment.
Fabelhafte Idee. Ich hatte schon ganz vergessen, dass meine Mutter mir vor ein paar Monaten eine XXL-Packung Rosen-Schaumbad auf den Schreibtisch stellte und mir sagte, sie habe ein Bad für mich eingelassen. Dafür habe ich ihr am nächsten Tag einen Riesenpott Schokopudding gemacht, das weiß ich noch. Dafür, dass sie mich daran erinnert hatte, dass mein Leben nicht erst nach der Schule beginnt. Dass das Hier und Jetzt auch ein wenig Aufmerksamkeit verlangt.
Aber genau darum sollte es doch gehen im Leben. Um Hier, um Jetzt. Darum, den Moment ganz bewusst erleben zu können, sich nicht umzudrehen, und nicht nach vorn zu blicken. Zumindest nicht für solche Momente, solche, die ganz und gar erlebt werden wollen.
Denn woran sollte man sich auch erinnern, nach einem Leben voller Streben nach immer neuen Zielen? An Nächte vor dem Schreibtisch, das Blut voll mit Koffein? An abgelehnte Party-Einladungen, verpasste Gelegenheiten? Ich kann nicht glauben, dass es das wert sein könnte, diese “Zukunft”, von der alle reden. Nicht, wenn man am Ende auf nichts zurückblicken kann, als auf ein Leben, das eigentlich keins war. Weil da nichts ist, an das man sich gerne zurück erinnern würde…
Und genau deshalb liege ich jetzt hier, umgeben von Rosenduft und Kerzenschein. (Auch wenn da ein Schreibtisch voller Abi-Unterlagen auf mich wartet.) Weil ich mir mein Hier und Jetzt nicht kaputt machen lasse von Zukunftsängsten und Deadlines. Ich habe nicht vor, mein Leben der einen großen Ziellinie zu verschreiben, und auf dem Weg zu vergessen, wer ich bin und was es heißt den Moment zu genießen. Das heißt nicht, dass ich keine Pläne habe, oder dass ich später unvorbereitet da stehe und nicht weiter weiß.
Das heißt nur, dass ich während dieser Vorbereitungszeit nicht vergessen will, was es heißt, am Leben zu sein.
Eure Luna.
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