Eingeholt
Weil ich ihn, 200 Mal weggesperrt, ausgegraben, über ihn gegrübelt, schuldig gefühlt, vermisst, wieder weggepackt, verdrengt habe. Und er sich doch immer wieder durch mein Unterbewusstsein in meinen Kopf schleicht. Und ich zu viel nachdenke.
Ein Artikel, vor Ewigkeiten geschrieben, von einer jüngeren, verträumteren, sentimentaleren Version, die ab und an ihren Tribut gezollt haben möchte, und mir alte Gedanken auftischt, von noch älteren Wintertagen. Immer wieder, und immer wieder aktuell.
Wunschgeträumt.
Heute bin ich aufgewacht, nur um zu bemerken, dass ich am liebsten sofort wieder zurückgegangen wäre, in diesen unglaublich realen, seltsam schönen Traum. Traumlose Nächte, zu kurz und zu angespannt schlafe ich, da ist kein Patz für Träume. Und jetzt das. Er.
Ich wollte zurück, in diesen seltsamen, schönen, erinnernden Traum zurück. Er roch nach Birkenwald und frisch gefallenem Regen, ein sachter Wind bewegte die kleinen hellgrünen Birkenblätter und fühlte sich ganz warm an auf der Haut. Die Sonne strahlte, als ob sie etwas nachholen müsse, schien uns ins Gesicht.
„Uns“. Ich würde einen Traum niemals als schön bezeichnen, wenn ich in ihm allein war. In dieser Nacht war ich umgeben, von mir so wichtigen Menschen. Einige davon sehe ich täglich – Andere sind schon vor langer, langer Zeit zu Menschen geworden, die ich einmal kannte. Aber nur ein einziger Mensch in diesem Traum hatte meine volle Aufmerksamkeit, füllte den Traum mit seiner Freude, seinem Optimismus, seiner Großartigkeit. Er ist einer dieser Menschen, die mich verließen, in ein neues Leben, in dem ich keinen Platz fand. Einer, von dem ich nie, niemals geglaubt hätte, er würde gehen. Der Gedanke, ihn nicht mehr jeden Tag um mich zu haben, schien so abwegig, dass ich sicher laut losgelacht hätte, wenn meine Mutter nicht ihr „bitte-wein-jetzt-nicht“-Gesicht aufgesetzt hätte, als sie mir sagte, dass seine Mutter angerufen hätte um sich zu verabschieden, sie würde sich von ihrem Soldatenehemann trennen und an die Nordsee ziehen, mit ihren Kindern.
Wir waren erst 11 Jahre alt, ich hatte noch keine Erfahrung mit Abschieden, wusste nicht damit umzugehen. Ich stand vor den Scherben meiner Illusion von ewig haltender Freundschaft und hatte Angst mich an ihnen zu schneiden, würde ich versuchen sie aufzuheben. Und so rief ich ihn nicht an, bat meine Mutter nicht mich sofort zu ihm zu bringen, sondern schloss mich in mein Zimmer ein und beweinte den besten Freund, den ich je gehabt hatte.
Er fuhr fort. Von einer Woche auf die nächste war er verschwunden, ohne dass wir noch ein einziges Mal miteinander gesprochen hatten. Ehe ich mich versah, war sein Haus neu vermietet, die Pferde verkauft… in der Schule sah der Platz neben mir verlassen aus. Ich brauchte Monate bis ich aus dem Autofenster heraus wieder in die Richtung seines Hauses schauen konnte. Und die viele Zeit bis heute hat mich ihn nicht vergessen lassen. Ein ganzes Leben würde dafür nicht reichen.
Ich habe nie wieder von ihm gehört. Nicht ein einziger Anruf, nicht einmal eine dumme Postkarte oder irgendetwas anderes, dass mir zeigen würde, dass es ihn noch gibt, hier in meiner Welt – aber immer dann, wenn ich gerade fast sauer auf ihn wurde, fiehl mir wieder ein, dass ich es war, die für unseren wortlosen Abschied – für unseren nicht existenten Abschied – verantwortlich war, und das ich mich an seiner Stelle wohl auch nicht mehr bei einer Person melden würde, die sich nicht einmal dazu durchringen konnte einen so simpel erscheinenden Anruf zu machen.
Vielleicht lässt es sich nun leichter verstehen, dass mich dieser Traum so aus der Bahn geworfen hat, dass ich über ihn diesen viel zu langen Blogeintrag schreibe. Denn in meinem Traum war er da, an meiner Seite, lachend und wie immer ständig bemüht mich auf seine ganz eigene wunderbare Art zu veräppeln, nur um mich kurz danach wieder so zum Lachen zu bringen, dass ich ihn nicht mehr böse angucken konnte. In meinem Traum waren wir genau wie damals, Kinder, beste Freunde, die von Hühnerställen aus in Heuhaufen sprangen, zusammen auf seinem Mini-Motorrad fuhren und auf gefrohrenen Moorwiesen Eishockey spielten, bis unsere klappernden Zähne uns vor den Ofen seines Hauses schickten.
Es ist jetzt sieben Jahre her. Ich bin aufgewacht, der Traum ist verschwunden, er mit ihm.
Es wird sich nicht ändern: Ich bin hier, er ist es nicht. Und wird es nicht sein. Nicht mehr, nie wieder.
Es ist jetzt sieben Jahre her.
Eure Luna.
Fail better.
“It’s just what highschool does. It changes people, into the person they said they’d never become…” – unknown
Fuck! Ich hätte nie gedacht, dass mein Gähnen und unmotiviertes Rumlungern im Unterricht so auffällig sein würde. Ich dachte ich wäre da sehr dezent. Aber da saß ich, auf dem Stuhl gegenüber des Lehrerpults, darum bemüht nicht einfach loszuheulen und den Blicken meiner Lehrerin auszuweichen.
Aber es half ja nichts, schließlich wollte sie mir ja nichts Böses, nur besorgt sah sie aus. Dass sie mit meiner Tutorin gesprochen hätte, und meiner Mathelehrerin, dass sie das Gefühl hätte, ich würde den Fokus verliern auf mein Abi und die Zukunft. “Du kannst doch mehr, das wissen wir beide. Ist da vielleicht irgendetwas, was dich vom Lernen abhält?”
Also fing ich widerwillig an zu erzählen. Nur ganz knapp, und so allgemein wie möglich. Zu Hause wäre es momentan etwas kompliziert, aber meiner Eltern meinten, nächstes Jahr würde der Gürtel vielleicht wieder lockerer sitzen, mit etwas Glück. Und dass ich die Nebenjobs nicht zum Spaß mache.
Als ich nicht mehr weiterreden konnte, fragte sie nur “Und die Klaviernoten für die praktische Prüfung…” – “Die hab ich nicht aus Nachlässigkeit erst jetzt bestellt.”
Und als ich mir dann doch die Wangen trockenwischen musste, war ich froh darüber, dass sie nicht einer dieser Lehrer war, die planlos irgendwelche Tröstungs-Versuche von sich geben würden. Nur mitfühlen geguckt hat sie, und dann musste sie kurz blinzeln, um ihrer eigenen Fassung willen.
Sie würde meiner Tutorin nichts sagen, meinte sie, aber es wäre gut, wenn ich ihr dasselbe erzählen würde, für das Verständnis. “Ich weiß, dass das schwer für dich ist, aber deine Grenzen kannst du nicht ignorieren. Dein Abi ist jetzt das Wichtigste, darauf musst du dich konzentrieren. Es wird nicht Anders gehen.”
Als ich den Raum verließ und schnell die Treppen hinunter hastete, wusste ich, das sie Recht hatte. Zu Anfang habe ich mich nie mit mittelmäßigen Noten zufrieden gegeben, alles musste perfekt sein. Jetzt nehme ich die einstelligen Noten schon in Empfang ohne hinzusehen. Das muss sich ändern, so war ich nicht, und so will ich nicht mehr sein. Schon klar, es wird nicht einfach werden, der Stress wird sich nicht ignorieren lassen. Aber ich möchte, wenn schon nicht meinen Wunsch-N.C., wenigstens meine Einstellung von früher wieder haben. Wenn ich schon Fehler mache, dann wenigstens Bessere. Ich bin durch mit mittelmäßig.
(via)
Eure Luna.
Die Sache mit dem Timing.
Hach ja, früher, in Mittelstufen-Zeiten… als mein einziges Zeitproblem darin bestand, dass ich hin und wieder dem Bus nachlaufen musste. Der Schultag endete um 13:15Uhr, die Mappen waren dünn, die Klausuren 1-stündig und die Lehrer gaben einem Hausaufgaben, die prima beim Fernsehen erledigt werden konnten. Die Nachmittage waren lang und voller Freizeit, mit der man manchmal schon gar nichts mehr anzufangen wusste. Ideale Voraussetzungen also, um sich unsinnigen, zeitraubenden (aber spaßigen) Dingen zu widmen, die dann langsam zu Gewohnheiten wurden. Aber das machte nichts, man hatte ja Zeit…
Und heute? Der Gedanke, den ich in letzter Zeit mit Abstand am meisten denke, ist „Wo zum Kuckuck ist heut schon wieder meine Zeit geblieben!?“ Es scheint, als hätte sich die Welt auf einmal auf links gedreht: Die Schultage gehen erst zu Ende, wenn die Sonne schon längst wieder verschwunden ist, die Nachmittage beginnen um 17Uhr und die wenige Zeit, die dann noch bleibt, wird von Dramenanalysen und Klausurvorbereitungen aufgefressen. Lange Weile ist Luxus, Freizeit quasi nicht mehr existent.
Aber leider sind diese unsinnigen, zeitraubenden aber spaßigen Angewohnheiten übrig geblieben, überliefert aus der Zeit, als die Tage noch genügend Stunden hatten. Ein paar YouTube Videos, die seit jeher zum Nachmittag gehörende Klatsch-Sendung… und schwupp: „Wo ist meine Zeit geblieben!?“
Eine kluge Freundin hat mal gesagt: „Timing is Alles!“ Und in der Tat, zusammengerechnet kommt das mit der für Schule, meinen Hobbys, den Nebenjobs und den Hausaufgaben eigentlich ganz gut hin. Theoretisch. Aber leider ist das mit dem Timing nicht so leicht, wie es sich anhört…
Was also tun?
Man bräuchte eine Art „Supervisor“, einen, der immer Plan von Allem hat, die Uhr im Blick und den Terminplaner gezückt, der einem über die Schulter guckt und ab und zu auf die Finger haut. „Fernsehen is nich, junge Dame! Schulkram raus, aber dalli!“ Ja, einen Manager bräuchte man, damit wären alle Probleme gelöst. Wie sonst würden Paris Hilton oder Daniela Katzenberger morgens überhaupt aus dem Bett kommen?
Nur leider kann mein Geldbeutel nicht wirklich mit dem der beiden Blondinen mithalten, soviel ist sicher. …Aber wie komm ich eigentlich darauf, dass man sich nicht selbst managen kann?
Seit Ewigkeiten predigen Psychiater „Wenn die Motivation fehlt, belohnen Sie sich nach einem gelungenem Projekt einfach selbst!“ Das Prinzip ist also folgendes: Wenn die Disziplin fehlt, muss eben ein Anreiz her, der die Motivation hervorlockt. Manager arbeiten schließlich auch nur, weil nach einem guten Job immer eine entsprechende Prämie winkt. Praktisch heißt das also, man zieht los und sucht sich einen Anreiz, der die Arbeit wert ist. Und wenn das mit dem Timing dann erste Erfolge erzielt, zieht man los und gönnt sich die CD, das Buch oder das teure Essen beim Franzosen, für das man bisher immer zu geizig war. So hat man ein geplantes Leben, und gleichzeitig immer einen Anreiz, das auch weiter so zu schaffen. Klingt doch ganz gut oder?
Ich hab das jetzt eine Weile versucht, und mein Ergebnis sind bisher endlich wieder ein paar Nächte mit genügend Schlaf, komplette Hausaufgaben und ein neues Lieblingsparfum. Das mit dem Selbstbelohnen scheint also wirklich ganz gut zu klappen. Und wenn das Ganze dann auch noch gute Noten und ein geplantes Leben mit sich bringt, habe ich nichts dagegen. ;)
Eure Luna.
(Bild via)
In Gedanken längst angekommen
Ihr glaubt gar nicht, wie sehr ich mich darauf freue. Einfach in den Flieger steigen, aus dem Fenster sehen und die Wolken beobachten. Ich bin so aufgeregt!! Schon klar, vermutlich klinge ich gerade wie ein kleines Kind, aber das ist mir egal. Ich saß noch nie in einem Flugzeug, und außer einer Klassenfahrt nach Sylt habe ich das Festland noch nie verlassen.
Wenn ich dann meine Freunde höre, wie sie von Sicherheitskontrollen und Luftlöchern erzählen, dann macht es mir nichts, wenn ich lachhaft wirke mit meiner leichten Panik vor einem höchstunwahrscheinlichen Getriebeschaden irgendwo über Großbritannien. Ich habe diese Erfahrungen eben noch nicht gemacht. Und genau deshalb bin ich so irre aufgeregt, über den Ozean zu fliegen, über England und weiter, in das Land der grünen Kobolde und den Goldtöpfen am Ende des Regenbogens. ^.^
Es geht mir darum, endlich einmal zu erleben, worüber ich immer nur gelesen habe. Und damit meine ich nicht nur Dublin, sondern auch all die Orte, von denen ich mich selbst überzeugen möchte, dass es sie wirklich gibt. Im Moment kommt mir die Welt ein bisschen vor wie ein Roman, von dem ich schon viel gehört habe, aber noch nie lesen durfte. Ein verschlossenes Buch, in dem alles versteckt liegt, Orte, Menschen, Gelegenheiten. Im Leben geht es um Erfahrungen. Und ich will endlich damit anfangen, meine Eigenen zu sammeln.
(via)
Dieses Foto habe ich vorhin auf einem Bildblog gefunden, und als ich las, was es zeigte, konnte ich für eine ganze Weile nicht mehr aufhören zu grinsen. Die Jahrhunderte alte, riesenhafte Bibliothek des Trinity College, Dublin.
In genau einer Woche werde ich tatsächlich selbst in dieser Bücherei stehen!
Ich werde diese riesenhaften Regale anstarren, euphorisch von einem zum nächsten rennen, und wahrscheinlich die ganze Zeit versuchen Freudenschreie zu unterdrücken. ;)
Und dann werde ich diese eine Inschrift an den Wänden suchen, und mich an genau die Stelle stellen, an der auch der Fotograf dieses Bildes stand, und auch ein solches Foto machen. Es wird genau diesen Ort zeigen, – nur, dass ich auch auf diesem Foto zu sehen sein werde.
Irland, ich komme. ♥♥♥
Eure Luna.
Keep holding on.
Im Moment… steht alles Kopf. Was gäbe ich für eine halbe Stunde Augen zu und Musik hören! Aber da haben die Damen und Herren Lehrer ja leider andere Pläne. „Klausurenphase“ ist das Unwort des Monats. Dürrenmatt über Dürrenmatt, Allel-Vielfalt im Genpool, und wo ist bitteschön der Unterschied zwischen Fuge und Fugato?
Überall stapeln sich Lernzettel, mein Schreibtisch sieht aus wie nach einem Supergau. Und mein Kopf schreit: „Halt! So geht das nicht, ich brauche Pause!!“
Aber die gibt’s nicht, schließlich ist da ja auch noch ein Au Pair Jahr, das finanziert werden will. Von der Nachhilfestunde bei 7.Klässlern weiter zum Sport, vom Sport zum Babysitting, dann zum Klavierunterricht, und unterwegs noch schnell der Cousine Flötenunterricht geben. Und, ach ja, Referate und Lerngruppen inklusive. Dann ist man abends halb 8 zu Hause, hat noch 2 Stunden Hausaufgaben vor sich und liegt halb bewusstlos auf seinem Schreibtisch. Und, halt, wann war nochmal das nächste Konzert? Ich hab die Sinfonienoten verduselt. Oder ist jetzt erstmal Enselmble dran? Üben!
Dann aber bitteschön nicht gähnen im Unterricht, sonst gibt’s böse Blicke vom Kursleiter. Wär ja wohl nich zuviel verlangt die Partynächte aufs Wochenende zu verschieben. Weil wegen Verantwortung und so. Ja nee, is klar.
Doch, wisst ihr, vielleicht ist es das alles ja wirklich wert. Und in einem Jahr sitz ich irgendwo im Zentral Park auf ner Parkbank, schlürfe Starbucks-Kaffee und hab vielleicht sogar nen süßen New Yorker neben mir sitzen. Man weiß ja nie. ;)
Aber jetzt mal im Ernst: Ich frage mich heute Abend nicht zum ersten Mal, ob ich das Ganze noch länger durchhalte. Ob ich mir nicht zuviel vorgenommen habe mit all diesen Dingen, alles auf einmal. Andererseits: Was habe ich denn für eine Wahl? Ich brauche das Alles. Ich brauche mein Abi, genauso wie ich diese Jobs brauche. Also bleibt mir nichts anderes, als einfach weiter zu machen. So gut es eben geht. Und irgendwie werd ich das schon schaffen. Ich muss einfach.
Eure Luna.
Ostseewind
Morgens, 9 Uhr. Ich fahre mit dem geliehenen Fahrrad eines Freundes die Strandpromenade eines kleinen Küstenortes an der Ostsee entlang, keine 15 Meter vom Wasser entfernt. Es ist ein relativ kühler Morgen – eine willkommene Abwechslung zu den konstanten 36°C der letzten Tage. Die ersten Cafés richten gerade ihre Sonnenschirme auf, noch sind nicht einmal 10 Menschen am Strand zu sehen.
Die Luft riecht frisch und salzig, eine starke Brise weht mir mein Haar von den Schultern und lässt es im Wind tanzen. Ich genieße das Gefühl von Leichtigkeit, dass der Wind mit sich bringt und fahre mit meinen Fingern durch mein zerzaustes Haar.
Ein kleines Stück weiter, etwas abseits von Promenade und Straßencafés, entdecke ich plötzlich einen einsamen Steg, ganz aus weiß bestrichenen Holzplanken. An seinem Ende, gut 20 Meter hinter der Strandlinie, sitzt eine Silbermöwe auf einer kleinen metallenen Leiter, die von allen Seiten stürmisch von der Ostsee umspült wird und schon nach der 3. Stufe in den Wellen verschwindet. Als sie mich mein geliehenes Fahrrad auf die ersten Bretter des Steges schieben sieht, beäugt sie mich sehr kritisch, und springt nach einiger Überlegung von ihrem Sitzplatz ab und schwingt sich in die Luft, nur um ein paar Meter weiter in den Fluten zu landen und mich von dort aus weiter zu beobachten. Am Ende des Steges angekommen setze ich mich auf die nun frei gewordene Treppe und hohle ein paar Mal tief Luft, um die Seeluft in mich aufzunehmen. Hier draußen so nahe am Wasser, ist ihr salziger, reiner Geruch noch verstärkt; Es kommt mir vor als könne ich das Salz darin beinahe schon auf der Zunge schmecken. Ich blinzle, das ohnehin schon grelle Sonnenlicht wirkt durch die reflektierenden Wellen doppelt stark, doch nach ein paar Augenblicken beginnen sich meine Augen an das Helligkeit zu gewöhnen.

Der klare Blick aufs Meer, der Geruch der See in meiner Nase und das lebendige, aber dennoch gleichmäßig zuverlässige Geräusch der Wellen in meinen Ohren – das alles schien so natürlich und unverfälscht, dass es mir fast den Atem nahm. Es war, als ob all meine Gedanken und Sorgen zusammen mit dem Wind aufs Meer geblasen werden würden und sich dort in den Fluten verlieren würden.
Das beständige Rauschen der Wellen ersetzte schnell das permanente Summen meiner Gedanken, die sich seit Wochen unaufhörlich im Kreis drehten… Schon bald konnte ich an nichts mehr denken, als an die Schönheit dieses Ortes und die Ruhe, die von ihm ausging und die ich seit langer Zeit endlich wieder empfand.
Ich saß noch über eine Stunde auf den Stufen des einsamen Steges, mit meinen Füßen im Wasser und den Gedanken an rein gar nichts außer den Anblick der See und das unaufhörliche Rauschen der Wellen.
Nevermore.
Ich hasse es, dass ich so wankelmütig bin! Ich hasse es, dass ich mir etwas ganz fest vornehme, und es dann doch nicht mache. Ich hasse es, dass ich das Glück habe Träume zu haben, die ich dann aber nicht verfolge. Und ich hasse es, andere Menschen durch meine Wankelmütigkeit zu verletzen!!!
Ich bin unberechenbar. In einem Moment nehme ich mir etwas vor und bin motiviert, aber schon im nächsten Moment verlässt mich der Mut und ich lasse mein Vorhaben fallen. Oft habe ich mir nicht nur selbst geschadet, sondern verletzte gleichzeitig auch Menschen, die mich lieben und mir vertrauen. Dabei wollte ich doch niemals jemandem weh tun!! Aber ich mache Fehler, wieder und wieder – am Ende bleibt mir oft kein Ausweg mehr als Notlügen zu erfinden und mich vor der Verantwortung für meine Fehler zu drücken. Dafür hasse ich mich!
Ohne meine Freunde und meine Familie hätte ich mich schon längst aufgegeben, sie haben mir Mut gemacht und mir immer wieder verziehn. Aber ich weiß, dass ich sie immer wieder verletzen würde. ICH WILL DAS NICHT MEHR! Ich kann mir nicht immer wieder Kraft von Anderen leihen. Ich muss mich selbst auffangen und darf nach kleinen Rückschlägen nicht immer sofort aufgeben und meine Wünsche und Ziele verwerfen. Seine eigenen Ziele muss man sich selbst erarbeiten, sonst hat man sie nicht verdient, sonst haben sie einem nie gehört.
Ich bereue meine Fehler, jeden Einzelnen. Ich kann nicht noch mehr davon verkraften, nicht wenn ich sie verhindern kann. ICH WERDE WIEDER ANFANGEN ZU KÄMPFEN! Ich habe mich viel zu oft von meiner Angst stoppen lassen, habe mir selbst alles kaputt gemacht. Aber… das will ich nicht mehr! Mein Leben soll wieder mir gehören.
Das hier gilt allen, die ich durch mein wankelmütiges und unkontrolliertes Verhalten verletzt oder enttäuscht habe:
Von ganzem Herzen, es tut mir Leid.
Ich kann meine Fehler nicht wieder rückgängig machen, aber ich kann versuchen, sie wieder gut zu machen. Und das werde ich tun, mit allem was ich habe! Doch das alles geht nur, wenn mir diejenigen, die ich enttäuscht habe, noch ein letztes Mal verzeihen. Und damit meine ich auch meine (anfangs) vielen Leser. Diesen Blog anzufangen habe ich mich nur durch den Startschubser einer unglaublich wundervollen Freundin getraut (hier ist ihr Blog!)… Aber dann habe ich meine Einträge schrecklich gefunden und konnte mich nicht zum Posten überwinden. Täglich habe ich meine Besucherzahlen angeschaut und mich immer schlechter gefühlt, weil sie hier nichts neues finden würden. Das war ein Fehler. Ich habe diesen Blog zwar nicht aus eigener Kraft begonnen, aber ich weiß jetzt, dass ich ihn aus eigener Kraft wiederaufnehmen kann. Aber das geht nicht ohne euch…! Bitte, wenn irgendjemand diesen Blogeintrag liest, empfiehl mich bitte weiter oder klick vielleicht ab und zu mal rein. Ich werde mich anstrengen so gut es geht . Gebt mir die Chance dazu. Bitte…!
Ich habe mir geschworen, nie wieder zu enttäuschen.
Eure Luna.
Sein Finale
♫ LAZLO BANE – I´M NO SUPERMAN
Vor ein paar Minuten endete gerade der Abspann der finalen Folge von Scrubs – die Anfänger auf Pro7. J.D. erlebte seinen letzten Arbeitstag am „Sacred Heart Hospital“, lässt seine erlebte Zeit dort Revue passieren, und verabschiedet sich still und ganz privat vom seinem bisherigen Leben. Witzig, liebenswert, ehrlich – eben genau wie ich mir seinen Abschied vorgestellt hatte. Doch was ich nicht erwartet hatte, ist, dass ich während der gesamten Folge – am meisten während der letzten Szene mit J.D. allein vor dem Krankenhauseingang – bitterlich geheult habe wie seit Monaten nicht mehr. Das alles war so echt , ehrlich und schlicht, und so furchtbar rührend… ich schätze genau das hat diese letzte Folge so grandios wirken lassen. Es gab keine Riesenabschiedsparty oder einen pompösen, dramatischen Abgang – nur einen Mann, der sich von 8 Jahren seines Lebens, seiner Vergangenheit verabschiedet und sich entscheidet, in seine Zukunft zu blicken und sich auf sie zu freuen. 
Der eine oder andere findet diesen Artikel und meine Reaktion vielleicht zu weinerlich oder sentimental für eine Comedy-Serie. Aber gerade deshalb ist Scrubs eben nicht nur reine Comedy, sondern hat sich während der bisher 8 Staffeln zu etwas sehr Komplexen entwickelt, dass eben genauso rührend und ernst sein kann, wie es witzig ist, und über bloßen Zeitvertreib längst hinausgeht.
Was ich sagen will ist, dass ich seit Ewigkeiten Fan dieser großartigen Serie bin, und nun ihr Herz in Form ihres Protagonisten aus dem Bild laufen zu sehen hat mich mehr mitgenommen, als ich dachte. Ich hatte irgendwie die Hoffnung, dass wenigstens so etwas wie meine Lieblingsserien zu den sehr, sehr wenigen Dingen in meinem Leben gehören, die sich nicht ändern würden. Aber selbst solche einmaligen Charaktere wie J.D. haben einmal ihren letzten Auftritt, und der sollte eben nicht übertrieben kitschig oder von Drama und Abschiedsschmerz überladen sein. Im Gegenteil – wenn eine Serie wirklich gelungen ist, sollte es der Fan sein, der die meisten Tränen vergießt, nicht die Schauspieler. Und da ich mir immer noch die Tränen aus dem Gesicht wische, bleibt eigentlich nur zu sagen, dass ich Scrubs für eine wundervolle Serie halte, die mir mit der Zeit sehr ans Herz gewachsen ist. und selbst wenn sich ab der 9. Staffel vom neuen Krankenhaus bis hin zu den Hauptpersonen so ziemlich alles ändern wird, bin ich mir zu 100% sicher, das ich auch in Zukunft jeden Dienstag Abend begeistert vor meinem Fernseher sitzen werde.
Eure Luna.
(Foto: via)
P:S.: Hier könnt ihr euch die letzten Minuten von My Finale ansehen, wenn ihr wollt: :)
Sturmhütten
Man kann sich dagegen wehren so viel man will – irgendwann holen einen die miesen Stunden im Leben ein. Ob man es nun Schicksal nennt, Zufall oder Glück; das Resultat ist das gleiche: Stürmische Zeiten. Mit Regenschauern, Wind, Hagel und allem was dazu gehört.
Und ich rede hier nicht von kleinen Wolkenbrüchen – nicht über die kleinen Schwierigkeiten im Leben, von denen die Sesamstraße früher immer gesungen hat, dass man sie mit ein bisschen Mut schon in den Griff bekommen könnte. Nein, ich meine diese gigantischen Orkane, die einem die Tennisball-großen Hagelkörner auf den Kopf schmettern und die fieseste Migräne zurücklassen; die Art von Sturm, die dich innerhalb von Sekunden bis auf die Haut durchnässen und bei denen der Wind die Haustür zuschlägt, sodass man schlussendlich zitternd mit triefenden Klamotten im Regen steht und nicht ins rettende Trockene gelangt. Die Sorte Sturm eben, gegen die man absolut NICHTS ausrichten kann. Denn niemand kann gegen einen Sturm ankämpfen.
Das Einzige was hilft, ist sich die miesen Zeiten ein bisschen zu versüßen – so gut es eben geht. Manche kaufen sich 2 Kilo Schokolade, manche betrinken sich, – im Endeffekt ist nur wichtig, dass man es schafft sich ein bisschen besser zu fühlen. Dass man sich etwas Gutes tut. Denn das Schlimmste was man machen kann ist, sich in sein Unglück fallen zu lassen. Wenn man den Sturm schon nicht bekämpfen kann, kann man sich das Leben im Regen wenigstens ein wenig erleichtern. “Wenn du im Regen stehst, bau dir eine Hütte.”, sozusagen…
Und früher oder später findet jeder seine ganz eigene Regenhütten-bau-technik, egal wie schwachsinnig sie auch sein mag. Ich zum Beispiel sitze hier gerade mit einer Tasse grünem Tee, meiner Lieblingswolldecke und meinem iPod. Der ist das wichtigste: Denn für solche Zwecke habe ich eine 1 ½ stundenlange Playlist namens „Aufmuntern, bitte.“, vollgestopft mit den absolut tollsten Liedern für genau solche Momente.
Dann sitze ich hier in meinem allerliebsten Kuschelsessel, rieche an meinem Tee, schaue stundenlang aus dem Fenster und höre diese Lieder, … und nach und nach fällt es mir immer leichter, wieder daran zu glauben, dass dieser Sturm nicht ewig über mir hängen kann. Und bis es soweit ist, lasse ich mich eben weiter von den wunderschönsten Melodien berieseln. Bis sich das Schicksal / Zufall / Glück endlich entschließen wird, wieder ein bisschen Sonne durch mein Fenster hindurch und mitten in mein Leben scheinen zu lassen.
Eure Luna.

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