Stressfrei
Das waren sie also, die Herbstferien 2010. Naja, zumindest für mich. Schließlich sitze ich morgen früh wieder mal in der Bahn Richtung Bremen, zum dritten Orchesterprojekt des LJO. Vier Tage wird geprobt, abends gefeiert, geschlafen während der Mittagspause. Anschließend am Wochenende drei Konzerte, und dann am Sonntagabend endlich nach Hause, gerade noch rechtzeitig zum Staffelfinale meines heißgeliebten Mentalisten. (Dieser hier: watch?v=Jc8Ay1XLMu0) ;)
Allein der Gedanke daran, meine gerade erworbene Freizeit wieder aufzugeben, verschreckt jetzt schon jegliche Motivation auf die kommenden Tage. Wie soll ich das nur überstehen?
In der letzten Woche habe ich wirklich alles nachgeholt, was ich mir schon viel zu lang selbst unmöglich gemacht hatte. Ich habe mir jeden Tag eine Aufgabe gestellt, die ich dann auch gründlich und ohne Zeitdruck erledigen konnte. Den Schullektüren habe ich mich während meiner abendlichen Schaumbäder gewidmet, und nachmittags hatte ich sogar wieder die Zeit dazu durch unseren wunderschönen, rot-grün-goldenen Herbstwald zu spazieren – stundenlang, ohne ständig die Uhr zu checken. Ich habe einen ganzen Nachmittag und die darauffolgende Nacht damit verbracht, die gesamte 1. Staffel von „The Mentalist“ zu sehen (was meine neuentdeckte Verrücktheit nach dieser fabelhaften Serie erklärt). Bei der Geburtstagsfeier eine allerliebsten Freundin blieben wir irgendwann zu dritt übrig, und zum ersten Mal seit Ewigkeiten hatte ich am nächsten Tag keine 3-4 Termine, die auf meine Laune und mein Gewissen drückten. Ich blieb die ganze Nacht, und hatte eine eine wundervolle Zeit. Auf der Nach-Hause-Fahrt im rosanen Morgenlicht fühlte ich mich einfach großartig.
Ich bin nicht bereit, diese Art zu leben so schnell schon wieder einzutauschen. Ich will nicht mehr zurück in dieses Leben, in dem ich von einem Termin zum anderen hetze, und die Zeit vorne und hinten nicht reicht, ich ständig damit beschäftigt bin mich für Verspätungen zu entschuldigen und meine Augenringe grausiger Dauerzustand geworden sind. Mir ist klar, dass der Alltag niemals so entspannt sein kann wie diese Ferienwoche, aber so wie bisher kann es bei mir einfach nicht mehr weiter gehen. Diesen Stress will ich nicht mehr.
Auf den vielen endloslangen Spaziergängen hatte ich genug Zeit um über alles Mögliche nachzudenken, auch über all die Verpflichtungen, die nach den Ferien wieder auf mich warten würden. Die frische Luft und die Stille im Herbstwald waren eine ideale Umgebung, um ein paar Schritte Abstand zu nehmen, und mir mein Leben und das Chaos darin einmal im Ganzen anzusehen. Und wirklich, wenn man ein paar Tage aus dem Alltag herauskommt und etwas Abstand nimmt , wird plötzlich alles viel deutlicher, man sieht klarer. Nach ein paar Tagen wusste ich, was ich tun musste.
Der Alltag, in den ich nächsten Montag zurückkehren werde, wird anders aussehen, als ich ihn gewöhnt bin. Ich habe ein wenig an ihm herumgeschliffen:
Meine Großcousine und mein Großcousin werden wohl noch eine Weile etwas beleidigt sein, aber der Montag gehört wieder mir, keine 2 Stunden Englisch- und Flötenunterricht mehr.
Die gesamte Damenmannschaft des hiesigen Schützenvereins redet vorläufig wohl kein Wort mehr mit mir, aber damit kann ich leben. Denn die Wochenenden verbringe ich nicht mehr in stickigen Schützenhäusern.
Am schwersten fiel mir aber, der Orchestermanagerin des LJO zu erklären, dass dieses Herbstprojekt mein letztes sein wird. Aber mein Abi wird nicht wie alle bisherigen Klausurenphasen durch ständige Probewochenenden total vernachlässigt werden.
Ab sofort habe ich wieder Zeit für alles, was ich mir schon ewig vorgenommen hatte, auch für die belanglosen Dinge im Leben, die aber doch den Unterschied machen zwischen “Stressig aber es geht schon.” und “Fühle mich großartig!” Die Jobs, die ich jetzt noch habe, kann ich mit gutem Gewissen erledigen, ohne Überbuchung und chronischen Schlafmangel. Meine Zeit gehört wieder mir. Und das fühlt sich großartig an!
(beide Bilder via: junk.soup.io)
Eure Luna.
Hold your head up high.

(via)
Straff die Schultern, streck den Rücken und steh dazu. Steh zu dir, zu Allem was dich ausmacht. Du hast Fehler – natürlich, jeder hat die, das ist nur menschlich. Das heißt nicht, dass man Fehler akzeptieren soll, das heißt nur, dass du dich nicht schämen musst für dich und was dich ausmacht. Wenn dich etwas stört, raff dich zusammen, zieh los und ändere es! Du hast die Möglichkeit, dein Leben zu formen, nach deinen Vorstellungen, hier und jetzt, in dieser Sekunde!
Steh dazu. Steh zu dir. Viele mutige Menschen haben dafür gesorgt, dass DU dein Leben leben kannst, wie du es willst, du ganz allein. Und wenn dich jemand davon abhält, dann sag ihm deine Meinung, klar, freundlich und bestimmt. Du hast Mut, Kraft und deine ganz eigenen Stärken, und du hast verdient, dass jeder das erkennt, dass jeder DICH erkennt. Wie du wirklich bist, nicht, wie andere dich sehen wollen. Nimm Kritik an, höre die Meinung Anderer, aber vergiss niemals, am Ende ist Deine Meinung die einzig Wichtige. Wer wirklich glücklich sein will, dem reicht es nicht, anderen auf ihren Wegen nachzulaufen. Du hast die Fäden in der Hand, nutze sie! Lenke dein Leben SELBST, auf deinen ganz eigenen Weg, in die Richtung, die dich glücklich macht. Du kannst es, vertrau darauf, vertrau auf dich. Lass nicht zu, dass deine Ängste dein Leben ruinieren. Du kannst es besser, das weißt du, daran musst du glauben.
Also los, straff die Schultern, streck den Rücken, ergreife die Chance und verändere dein Leben, verändere DICH. DU erhältst eine neue Chance, jeden Moment, jede Sekunde, immer wieder, immer neu. Tick Tack. Die Zeit läuft. Sag mir, worauf willst du noch warten?
Eure Luna.
Wind of Change
Seit einiger Zeit merke ich eine Veränderung in mir. Ich entdecke einen Mut in mir, den ich nie für möglich gehalten hätte. Dinge, denen ich mein Leben lang aus dem Weg gegangen bin, wirken plötzlich lächerlich einfach – ich fange an neues auszuprobieren, höre auf wichtigen Entscheidungen davonzulaufen. Ich habe erkannt, dass ich dem Leben, was mich nach den Ferien erwarten wird, so wie ich bin, nicht gewachsen bin. Seit Jahren verdrängte ich wichtige Entscheidungen, verwandelte konkrete Pläne in entfernte Wunschträume, sodass ich mich ihnen nicht stellen musste. So konnte ich mir einreden noch alle Zeit der Welt zu haben, mich auf meine Zukunft vorzubereiten. Aber das Finale kommt schneller in Sicht als ich mir immer wieder versucht habe einzureden. Das letzte Jahr ist angebrochen – und ich bin nicht bereit.
Es steht mehr auf dem Spiel als nur meinen Schulabschluss - Es geht um den Menschen, der ich nach meinem Abschluss sein werde. Die Optionen liegen klar vor mir: Bestehen oder Scheitern hing schon immer davon ab, ob ich mich weiter im Stillstand-Modus befinden würde, oder ob ich endlich aufhören würde, mich gegen mich selbst und meine Wünsche und Träume zu wehren, und anfangen würde Veränderung in mein Leben zu lassen.
Für Angst und Selbstzweifel ist keine Zeit mehr. Jetzt oder nie.
Und nun stehe ich da, wackelig auf ungewohntem Boden, aber mit einem Entschluss. Das Mädchen, was in einem Jahr ihr Abitur in Empfang nehmen und die Reise nach Amerika antreten wird, wird eine Andere sein, als das unsichere, selbstzweifelnde, sich selbst im Weg stehende Mädchen, dass ich jetzt bin.
Ich werde mein Leben leben, werde laufen so schnell ich kann, werde fallen, und wieder aufstehen, werde lernen über mich selbst zu lachen und mir selbst auch zu verzeihen. Aus diesem Mut heraus werde ich all das tun können, was ich mich bisher nie wagte , denn ich habe angefangen wirklich daran zu glauben.
Ich werde bereit sein für das Leben, das mich erwarten wird. Das Leben, von dem ich schon so lange träume und das ich für mich gewählt habe. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Und zurück, das will ich auch gar nicht. Niemals mehr.
Denn ich spüre den Mut zur Veränderung.
Eure Luna.

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