Bis Morgen.
Ihre Augen leben noch. Wenn ich in den Raum komme, suchen sie nach mir… Nach einem von uns – Ihrer Familie. Aber sie läuft nicht mehr zu mir, übermütig und wie wild herumspringend, wie früher – wie immer - wenn ich „Hallo meine Süße!“ in ihre Richtung rufe.”Immer” heißt jetzt, bis Morgen.
Aber ihre Augen finden mich immer noch, und ich finde sie. Nur, dass mein Rufen abgeebbt ist, zu einem liebevollen, behutsamen Murmeln, dass ich in ihr Ohr flüstere. Ihr Schwanz wippt ein paar Mal auf und ab, und sinkt dann wieder aufs Kissen zurück. So unendlich kraftlos…, aber ich kann mir gut vorstellen, wie diese Bewegung ausgesehen hätte, wenn sie noch einmal 4, nicht 14 Jahre alt wäre. Voller Kraft und übermütiger, argloser Freude… immer Freude.
Wenn morgen früh der Tierarzt zu uns kommt, werde ich mich nur an diese Freude erinnern. Ich werde nicht an den Verlust denken, nicht an die Leere, oder den Schmerz in den Gesichtern meiner Familie. Nicht an die Spritze. Auch nicht an diese grausame Liste von Werten und versagenden Organen, die eigentlich nur für ein einziges Wort stehen: „Altersschwäche“. Ich werde mich an diese pure, unschuldige Freude erinnern. An die Natürlichkeit darin und dem Ende des Kreislaufs, schmerzlos, friedlich und befreiend. Nur an ihre Freude werde ich mich erinnern… und an die klügste, treueste, hübscheste, liebste, frechste Hündin, die mir je unter die Augen getreten ist. - Meine Süße.
PS: Ich habe lange nach Bildern gesucht, die Ihr gleichkommen, aber keines hätte sie richtig wiedergeben können – Dieses zeigt sie (rechts) in ihrer häufigsten Pose, ihrem “Ist das da für mich?”-Blick. ^_^…)
Eure Luna.
Für meinen kleinen Bruder.
Ich habe ihn angeschrien.
Habe ihn beschimpft, übel, erbarmungslos.
Habe ihn gefragt, ob seine Freunde es wert sein, und die Ego Shooter.
Habe ihm sein Leben um den Kopf geworfen. So hart es ging, so fest ich konnte.
Denn das alles hilft nicht mehr. Bitten, gut zureden, diskutieren. Es hilft nicht mehr. Er ist taub geworden.
Mit seinen Freunden am Telefon, unsere Eltern seien “behindert”.
Ich habe ihn angeschrien. Mit Tränen in den Augen.
Für ihn. Für seine Zukunft.
Ich habe Angst. Um ihn.
Weil ich ihn liebe.
Darum.
Eure Luna.
Dead end
Nein, ich möchte keinen Tee.Ich möchte, dass du bei mir bist. Aber nur der Teil von dir, der sagt, er meint es nicht so, wenn er mich anschreit und meine Zimmertür eintritt. Nur der Teil, der mich versteht. Der nicht all diese Dinge sagt, die mich zerschneiden, von innen. Ich möchte, dass ich deinen Worten wieder trauen kann. Dass ich deine Entschuldigungen ernst nehmen, an mein Herz lassen kann, ohne Angst vor frischen Schnitten. Ich möchte zu dir aufsehen können, mich nicht wegdrehen müssen, um dein wutverzerrtes Gesicht nicht zu sehen. Ich möchte, dass du MIR hilfst, nicht deinem schlechten Gewissen! Ich möchte ein Gespräch mit dir führen, indem es nicht um Respekt und Pflichterfüllung gegenüber der Familie geht. Ich kann nicht glauben, dass ich allein an allem Schuld bin.
Und wenn du zu mir kommst nach Geschrei und Türenschlagen, dann sag mir, dass es dir Leid tut, ehrlich und bedingungslos. Nicht, dass du heißes Wasser aufgesetzt hast.
Nein; keine Lügen mehr, keine hohlen Versprechen, keine Moralpredigten. Ich möchte eine Familie, keine Pflichtveranstaltung. Möchte, dass das alles aufhört, dass ich dir mehr wert bin als die Mühe heißes Wasser aufzusetzen. Ich möchte dich nicht hassen müssen. Ich möchte keinen Tee.
Eure Luna.


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